Elevator Pitch kontrovers

Das Schlagwort Elevator Pitch ist seit einigen Jahren allgegenwärtig. Scheinbar (im eigentlichen Sinne dieses Wortes) ein unverzichtbares Mittel für den erfahrenen Netzwerker.

In zahllosen Treffen pitchen die Anwesenden stakkatomässig ihre Firmennamen, USP und andere Dinge in den Raum und erwarten, dass diese Art der Vorstellung in den Köpfen ihrer Mitmenschen hängen bleibt. Natürlich vergessen die geübten Netzwerker dabei nicht, den Nutzen den Sie für andere haben zu erwähnen und in einigen, wirklich schon sehr versierten Varianten, wird auch noch ein geistiger Anker gesetzt, damit man auch wirklich in Erinnerung bleibt. Nicht zu vergessen die abgrundtief rhetorische Wiederholung meines Namens und meiner Firma am Ende der Vorstellung, bei der sich mir jedes Mal die Nackenhaare hochstellen.

Um diese hohe Kunst der Vorstellung zu erlernen gibt es eine beeindruckende Zahl von Kursen, Themenveranstaltungen und Seminaren. „Der Elevator Pitch in einem Tag. Damit Sie wirklich im Gedächtnis bleiben.“ Hier stelle ich mir die Frage, ob ich der Einzige bin, der nach einer Runde von 18 Menschen, die sich alle innerhalb einer Minute vorgestellt haben, nicht mal sagen kann, was die Hälfte der Anwesenden macht. Bei nur 18 Personen hat man ja fast schon Glück. Ich habe dieses Szenario bereits mit deutlich mehr Teilnehmern erlebt und halte es für nahezu überflüssig.

Sollte nicht zufällig, der sofortige Bedarfsfall bei einem der Zuhörer bestehen, dann wird diese, in meinen Augen, lieblose Form der Vorstellung einfach nur verpuffen und am Ende der Runde haben die meisten bereits vergessen oder auch verdrängt, was der erste Redner einzigartiges anbietet. Das dieser Bedarfsfall vorliegt, ist in etwa so wahrscheinlich, wie eine passende Postwurfsendung ohne Zielgruppenrecherche, für ein Angebot, dass ich morgen einlösen muss.

Die Geschichte woher der Elevator Pitch kommt, ist vermutlich den meisten Menschen bekannt, denn jeder der mit diesem Thema zu tun hat, erzählt es immer wieder gerne. Dem will ich mich in aller Kürze anschließen. Ein Angestellter möchte den Chef innerhalb einer Fahrstuhlfahrt von einem seiner Projekte überzeugen. Da er keinen Termin beim Chef bekommt, hat er nur die Möglichkeit im Fahrstuhl einen Raum mit diesem zu teilen. Fahrstuhlfahrten sind endlich und so bleibt nicht viel Zeit den Chef zu begeistern. Für dieses Beispiel finde ich den Elevator Pitch absolut geeignet und er hat im Einzelgespräch einiges zu bieten, aber warum um alles in der Welt hat irgendwann jemand beschlossen, es sei ein tolles Instrument für Gruppenveranstaltungen?

Na gut, wenn man sich jeden Tag einmal in einer Gruppe trifft, greift irgendwann auch der schlechteste Elevatorpitch, oder?

Es war mir ein Vergnügen.

Prägnante Grüße
Ihr Andreas Pieters, DieMarke8

2017-11-21T16:42:48+00:0021. November 2017|

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